Als Thomas Mann beim Schreiben über die beiden literarischen Denkmäler Goethe und Tolstoi klagte: »Das Bedürfnis und die Gewohnheit, mich ganz zu geben, .
Mit der Oktoberrevolution hatte in Russland gewaltsam die kommunistische Herrschaft begonnen, Ende Dezember dem Jahres 1922 erfolgte schließlich die formale Gründung der Sowjetunion.
Zwischen der 1921 veröffentlichten ersten Fassung des Vortrags ›Goethe und Tolstoi‹ und der überarbeiteten, erweiterten Essayfassung von 1925 hatte sich die politische Haltung Thomas Manns bedeutend weiterentwickelt.
In zwei Ländern wurde dieser Text veröffentlicht, in welchem Thomas Mann für die deutsche Republik wirbt: Zunächst in den USA in der Juniausgabe 1923 von The Current History und anschließend im Dezember desselben Jahres in einer ausführlicheren Version in der Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter (auf Schwedisch).
Es ist nicht nur Spekulation, dass Thomas Mann sich gerade mit diesem Roman Goethes besonders gut identifizieren konnte, spielt darin doch das Motiv der nicht ausgelebten Leidenschaft und der Entsagung eine zentrale Rolle.
Im Februar 1925 war Thomas Mann offiziell in den illustren Zirkel des PEN-Clubs aufgenommen worden – eine besonders willkommene Ehrung für den Dichter, der stets großen Wert auf sein öffentliches Bild legte.
Im Jahr 1925 gab der Internationale Psychoanalytische Verlag in Wien seinen ›Almanach für das Jahr 1926‹ heraus und bat Thomas Mann um einen Beitrag für das Kapitel »Die Psychoanalyse und die Dichter«.
Neben viel Lob hatte Thomas Manns im November 1924 veröffentlichter Roman ›Der Zauberberg‹ auch Kritik bezüglich der Darstellung medizinischer Details hervorgerufen.
Nicht nur in künstlerischer, sondern auch in praktischer Hinsicht war der Austausch Thomas Manns mit dem österreichischen Dramatiker Arthur Schnitzler fruchtbar – entstand daraus doch der Kontakt zu dem Herausgeber der New Yorker Zeitschrift The Dial, wo Mann zwischen 1922 und 1928 insgesamt acht ›German Letters‹ veröffentlichte.
Offenbar diente die im Februar 1925 fertiggestellte Essayfassung seines Vortrages ›Goethe und Tolstoi‹ Thomas Mann hier als Hauptquelle, denn für vier der neun Absätze übernahm er Passagen daraus, teils in leicht überarbeiteter Form.
Nicht nur war Kurt Kläber einer der Mitbegründer des Spartakusbundes, sein Werk trägt zudem den Untertitel ›Erzählungen aus den Kämpfen des Ruhrproletariats‹ und erschien den Behörden insgesamt offenbar zu brisant.
Mit Hermann Graf Keyserling war Mann bereits auf verschiedene Weise in Kontakt gekommen, so hatte er sich beispielsweise 1920 unter dem Titel ›Klärungen‹ in einem offenen Brief an den baltischen Privatphilosophen gewandt.
Obwohl Deutschland seine Kolonien gemäß den Vereinbarungen des Versailler Vertrags hatte abtreten müssen, blieben auch nach 1919 zahlreiche Deutsche dauerhaft im Ausland.
Schon längst habe Heinrich Heine, »einer der anmutigsten, freiesten, kühnsten und künstlerischsten Geister, die Deutschland hervorgebracht hat«, ein Denkmal erhalten müssen: Thomas Mann, der bereits zu Schulzeiten mit dem Werk des umstrittenen Dichters in Berührung gekommen und sich mehrfach positiv über Heine geäußert hatte (unter anderem hatte er sich 1908 für die Gründung einer deutschen Heine-Gesellschaft eingesetzt), unterstützt hier Adolf von Hatzfelds Forderung nach einem Heine-Denkmal in Düsseldorf.
Thomas Manns Entwicklung zum Internationalisten und Unterstützer der demokratischen Republik hatte sich seit dem Ende des Ersten Weltkrieges schrittweise vollzogen und findet in Arbeiten wie dieser Ansprache ihren überzeugendsten Ausdruck.
Das Verhältnis Thomas Manns zu dem Maler Max Oppenheimer war lange Zeit eher distanziert gewesen – hatte doch Oppenheimer mehrfach Heinrich Mann porträtiert, während dieser zwischen 1914 und 1922 noch in schwerwiegende politische Differenzen mit dem jüngeren Bruder verstrickt war.
Nach langen Jahren, in denen Thomas Mann die Nachbarländer Deutschland und Frankreich als ideelle Gegenpole begriffen und sich immer wieder frankreichkritisch geäußert hatte, stellte er in diesem Vortrag endlich die ersehnte Synthese her.
Nachdem Thomas Mann im Frühjahr 1924 als Gast der dortigen Ableger des PEN-Clubs nach Amsterdam und London gereist war (siehe die ›Tischrede in Amsterdam‹), wurde er im Februar 1925 selbst als Mitglied in den erlesenen Kreis der Poets, Essayists, Novellists aufgenommen.
Als im Frühjahr des Jahres 1926 über den Entwurf für ein allgemeines deutsches Strafgesetzbuch debattiert wurde, stand eine Frage besonders im Vordergrund: Sollte die Todesstrafe beibehalten werden – oder nicht?
Die enorme Popularität Thomas Manns brachte gelegentlich fragwürdige Begebenheiten mit sich, ein Beispiel ist die Auseinandersetzung mit dem kleinen Geraer Verlag Friedrich Blau & Co.