Nur vier Seewölfe hatten das Piratenschiff Khai Wangs geentert, jenes Mannes, der als die Geißel des Gelben Meeres eine traurige Berühmtheit erlangt hatte.
Auch im Lande des großen Chan gab es Pressgangs - Schlägergruppen, die an den Küsten und in den Hafenstädten ihr Unwesen trieben, harmlose Reisende überfielen und auf die Dschunken verfrachteten.
Magellans Männer waren 1521 auf jenen unbekannten Inseln gelandet und hatten sie voller Ärger "Ladronen" - Diebesinseln genannt, weil die Eingeborenen sie bestohlen hatten, eine etwas merkwürdige Namensgebung, wenn man bedenkt, was die spanischen Eroberer und Konquistadoren in den Ländern der Neuen Welt alles mitgehen ließen.
Ja, es war tückisch, dieses Meer mit seinen unbekannten Strömungen, dem launischen Wind und jener unbekannten Kraft, die offensichtlich auf die Kompaßnadel einwirkte und sie verrückt spielen ließ.
Seit Jahren war sie eine Legende, diese Galeone, die einmal im Jahr mit Waren aus China quer über den Stillen Ozean nach Acapulco segelte und mit dem Gegenwert der Waren in Form von Gold und Silber nach China wieder zurückkehrte.
Die spanische Karavelle hatte der liebe Gott gesandt - so erschien es den Seewölfen auf der einsamen Insel im Stillen Ozean, denn ihr Schiff, die stolze Galeone "Isabella", hatte eine Bande von Piraten entführt - wohin, das mochte der Teufel wissen.
Ein Brandpfeil, abgefeuert von Big Old Shane, dem früheren Waffenmeister von Arwenack Castle, stach in zitternder Bahn auf die spanische Dreimast-Karavelle zu, senkte sich auf seiner Flugbahn und bohrte sich zischend ins Hauptdeck.
Die Mannschaft der spanischen Meuterer unter ihrem selbsternannten Capitan Carlos Ingarra hatte eine polynesische Häuptlingstochter geraubt - und fünf Seewölfe als Geiseln.
Damals, vor über fünf Jahren, wäre die Mocha-Insel Kapitän Francis Drake bei seiner legendären Weltumsegelung fast zum Verhängnis geworden, wenn er nicht Philip Hasard Killigrew, den Seewolf, an Bord gehabt hätte.
Die "Roaring Forties" - die "Brüllenden Vierziger" -, jene von Westwinden durchtoste Zone südlicher Breiten, hatten sie unbeschadet überstanden, aber als sie vor der Magellanstraße standen, schlugen die Elemente zu, hart, erbarmungslos und brutal.
Querab der Falkland-Inseln blieb der schwarze Segler der Roten Korsarin in einem riesigen Tangfeld stecken, dem die Seewölfe mit ihrer "Isabella" gerade noch hatten entgehen können.
Sie verließen die Hölle des Amazonas, aber als sie schon fast die salzige Meerluft zu spüren glaubten, liefen sie in dem riesigen, unübersichtlichen Stromdelta auf eine Schlammbank, und die "Isabella VIII.
Sie fanden den ausgemergelten, sterbenden Mann im Mündungsgebiet des Amazonas - mit einem Giftpfeil in der Brust und zwei Lederbeuteln in den verkrampften Händen.
Im Sturm wurde der Zweimaster der Roten Korsarin kurz und klein geschlagen, und nur den Seewölfen hatten sie und ihre Crew es zu verdanken, daß die Karibik nicht zum feuchten Grab für sie alle wurde.
Eine Flotte von dreißig Schiffen - Galeeren und Karavellen, geführt und bemannt von den härtesten Piraten des Mittelmeers, das war schon ein Brocken, bei dem einem friedlichen Handelsfahrer speiübel werden konnte.
Sie hatten einigen der Kerle aus der Crew der Roten Korsarin nie so recht getraut, und dennoch waren sie völlig überrascht, als Dan O'Flynn plötzlich spurlos verschwunden war und nur der Schimpanse Arwenack zu wissen schien, wo er steckte.
Die dickbauchige Galeone hieß "Flor de Espana", und sie war das Flaggschiff des Geleitzuges, der mit den Schätzen der Neuen Welt beladen zurück nach Spanien segeln sollte.
Die vier Tage und die vier Nächte waren für die Männer der "Isabella" ein ununterbrochener Alptraum, denn sie waren mit ihrer Galeone gefangen - wie eine Fliege auf dem Leim klebte ihr Schiff in einer unübersehbaren Masse von Tang, der mehrere Yards dick war und sie festhalten würde bis ans Ende aller Zeiten.